Doch, ich bin stolz.

„Ich möchte gern, daß man Stolz als eine edle Eigenschaft der Seele ansähe; als ein Bewußtsein wahrer innerer Erhabenheit und Würde; als ein Gefühl der Unfähigkeit, niederträchtig zu handeln.“

Adolph Freiherr Knigge: Über den Umgang mit Menschen

Ich muss zugeben, ich weiss eigentlich gar nichts über Herrn Knigge, und ich bin gerade auch zu faul, um nachlesen zu gehen. Aber irgendwie hat das Zitat gepasst.

Aber es soll ja auch um das Bild dort oben gehen. Ich habe es inzwischen mehrfach auf Facebook gesehen. Jedesmal ist es mir irgendwie sauer aufgestossen. Wer Sebastian 23 ist, weiss ich auch nicht. Ich bitte ihn also gleich vorneweg um Verzeihung. Ich habe einfach so sein Bild und sein Zitat geklaut um hier was zu sagen.

Wie gesagt, einerseits ist da ja was dran, aber andererseits, gleich vom ersten lesen an, ist es mir säuerlich aufgestossen. So einfach und pauschal die Aussage, trifft sie so pauschal auf alle Menschen zu?

Das liegt sicher daran, dass man mir mein ganzes Leben lang nicht gesagt hat, dass ich stolz darauf sein kann, wer ich bin, und von wem ich abstamme. Ganz im Gegenteil.

Ich bin BiPoC.

Meine Vorfahren sind zwar zum Teil aus Europa, aber auch afro-caribbean und indigen. Ja, die Sklaverei hat meine Vorfahren zusammengebracht. Ich habe ihr Trauma geerbt, aber auch ihre Resilienz, ihre Stärke, ihre Schönheit. Und ich bin stolz darauf. Ich bin stolz darauf, Cherokee zu sein. Ich war es schon lange, auch wenn man es mir kurzzeitig ausgetrieben hatte.

ᏥᏣᎳᎩ – TsiTsalagi – I am Cherokee.

Beigebracht wurde mir das nicht. Vielmehr habe ich die typischen Vorurteile über „farbige Menschen“ gehört – faul, triebgesteuert, dumm – von einem Familienmitglied. Dass es schade wäre, dass Hitler nicht alle Juden gekriegt hat. Dass wer hellere Haut hat, schöner ist. Vielmehr hat man mir gesagt, ich sei nur weiss, nur deutsch, und solle mich von den N* [rassistischer Terminus den ich hier jetzt vermeide] fernhalten.

Sicher gibt es auch den ungesunden Stolz. Diesen nationalistischen, völkischen Stolz der das eigene grundlos über alles andere erhebt, ja alle anderen als primitiv, weniger wert, gar wertlos erachtet.

Für mich heisst, nun endlich stolz darauf zu sein, wer ich bin, und zu welchem Volk (Völkern) ich gehöre, BiPoC zu sein, indigenous zu sein – für mich heisst stolz darauf zu sein mich nicht mehr dafür zu schämen. Es heisst, die Tage hinter mir gelassen zu haben, an denen ich jeden Tag beschimpft und geschlagen wurde. Es heisst auch dass, wenn mir hier in der Schweiz gesagt wird, „sorry, ich date nur Weisse“, dass ich stolz auf meine Herkunft bin und sie feiere, trotzdem.

Ich bin nicht weniger wert. Auch nicht mehr, nicht besser. Aber auch garantiert nicht weniger. Aber ich wehre mich gegen rassistische Übergriffe und Aneignungen und geniesse es, ich selbst zu sein. Genauso wie ich hoffe und mich freue, wenn andere sie selbst sind, und Freude haben an ihrer Kultur und Geschichte. Für mich ist dieser Stolz mit Liebe, Freude und Achtung verbunden, nicht Exklusion und Hass gegenüber anderen.

Wir sind alles Menschen, alle geschaffen in Gottes Ebenbild.

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