Gabriel Byrne verführt, Arnie leidet, und irgendwo zwischen Bibelsprüchen, Kugelhagel und Weihwassermassaker geht die Welt unter. End of Days ist ein Film wie ein schlechter Traum in einer katholischen Sakristei – und trotzdem funktioniert das apokalyptische Geballer überraschend gut. Ein wuchtiger Ritt durch alle religiösen Klischees, die Hollywood je in Weihrauch getaucht hat.
Der Weltuntergang beginnt – natürlich – in New York.
Es ist das Jahr 1999, also kurz vor Mitternacht der Zivilisation, und der Satan persönlich ist auf der Suche nach einer Frau. Nicht irgendeiner, sondern der „Auserwählten“, mit der er sein Höllenkind zeugen will. Man kennt das. Antichrist, Millennium, Verschwörungen im Vatikan – alles da. Und mittendrin Arnold Schwarzenegger als abgehalfterter Ex-Cop mit Trauma, Alkoholproblem und einer überraschend biblischen Funktion: Jericho Cane, der Mann, der zweifelt – und sich dann für die Menschheit opfert.
Kitschig? Ja.
Überladen? Absolut.
Unterhaltsam? Höllisch.
Der Teufel trägt Maßanzug
Gabriel Byrne als Satan ist das Beste, was dem Film passiert ist. Nicht als sabberndes Monster, sondern als smarter, eloquenter Verführer. Einer, der dir das Ende der Welt anbietet wie ein maßgeschneidertes Investment:
„Sag mir, was du willst – ich geb’s dir.“
Klingt wie ein schmieriger Gebietsleiter im Teufels-MLM, ist aber exakt das, was der Widersacher auch in Matthäus 4,9 sagt:
„Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.“
Aber Arnie, der wandelnde Zweifel in Lederjacke, spielt nicht mit. Die Szene zu Hause erinnert fast unheimlich an Jesu Versuchung in der Wüste – nur mit mehr Waffen und weniger Fastenzeit. Der Teufel bietet alles, was das Herz begehrt – und was Hollywood für eine Männerseele hält: Macht, Sinn, Vergessen.
Und mal ehrlich: Wer hat in diesem Moment nicht gedacht, dass der Teufel die überzeugendere Figur ist?
Sakramente als Sprengstoff
Weihwasser als Säure. Priester als Untergrundkämpfer. Bibelzitate als Einsatzbefehl. Hier ist das Christentum kein Trostort – es ist ein Arsenal.
Wenn in End of Days gebetet wird, dann nicht für den inneren Frieden, sondern für Verstärkung. Das Kreuz ist keine Hoffnung, sondern die letzte Waffe gegen die Dunkelheit. Und das Evangelium? Eine schwülstige Broschüre mit Blut-Upgrade.
Katholische Symbolik trifft amerikanisches Actionkino – heraus kommt eine Liturgie mit mehr Explosionspotenzial als das Alte Testament in einem Benzinkanister.
Die Frau als Gefäß
Christine York, die Auserwählte, ist genau das: ein Gefäß. Jung, weiblich, verwirrt, und von Geburt an bestimmt, entweder Satan zu empfangen oder von Arnie gerettet zu werden. Sie ist weniger Figur als Schicksalscontainer.
Es ist der alte Trick: Die Frau als passive Projektionsfläche, deren Körper Schlachtfeld und Preis zugleich ist. Wie Maria – nur umgedreht.
Die Mutter des Messias oder die Brutstätte des Bösen – andere Optionen gibt’s nicht.
Der Muskelchristus
Und dann ist da Arnie. Jericho Cane. Der Mann, der keinen Glauben mehr hat, aber eine Vorliebe für große Waffen. Und ausgerechnet er wird – natürlich – zum Retter. Nicht durch Gebet, nicht durch Einsicht, sondern durch die ultimative Geste: das Selbstopfer.
Er opfert sich unter einem Kirchenkreuz – schwer symbolisch, schwer bewegend, schwer katholisch. Eine Art Jesus 2.0, nur mit mehr Bizeps und weniger Messias-Komplex.
Und siehe da: Am Ende erwartet ihn die Vision seiner toten Frau und Tochter. Friede, Erlösung, Licht. Gott liebt offenbar auch Ex-Cops mit Hang zur Gewaltexegese.
Was bleibt?
End of Days ist kein theologisches Meisterwerk – aber ein wunderbares Beispiel dafür, wie Hollywood Religion benutzt wie Kunstblut: dick aufgetragen, effektvoll, und nicht ganz echt.
Trotzdem fragt der Film nach etwas Tiefem:
Was, wenn Gott schweigt – und nur der Teufel mit uns redet?
Was, wenn Glaube kein Trost mehr ist – sondern eine Entscheidung gegen den eigenen Vorteil?
Was, wenn Erlösung nicht fromm aussieht, sondern blutig und schmutzig?
Vielleicht ist das der größte Witz an End of Days:
Der Teufel hat die besseren Sprüche – aber Gott das letzte Wort.
Wenn auch durch Arnold Schwarzenegger.
Satanic Scorecard
Ein augenzwinkernder Blick auf den theologischen Bodycount von End of Days
| Kategorie | Punktzahl | Kommentar |
| Biblische Anspielungen | 8/10 | Matthäus, Offenbarung, Versuchung, Apokalypse – alles dabei, wild gemixt |
| Sakramentaler Explosivstoff | 9/10 | Weihwasser brennt, Kreuze fliegen, Hostien optional |
| Theologische Tiefe | 4/10 | Mehr Lederjacke als Liturgie, aber gute Ansätze im Subtext |
| Teuflischer Charme | 10/10 | Gabriel Byrne verführt selbst gläubige Hardcore-Atheisten |
| Christus-Parallelen | 7/10 | Selbstopfer unterm Kreuz, aber mit Maschinenpistole |
| Frauenrolle 1999 | 2/10 | Passiv, jungfräulich, fast aus Versehen wichtig |
| Subtile Symbolik | 0/10 | 😂 |
| Popcornfaktor | 11/10 | Absolut überladen, absolut unterhaltsam |