Ich trage den Stern.

Bus M19, Berlin:71 Jahre, liest Hebräisch —ein Blick reicht,die Mütze fliegt vom Kopf,Wut stiehlt seinen Raum. Iberia, Spanien:Koschere Mahlzeiten,Sticker mit Hass,nur auf jüdischem Essen. Valencia:44 Jugendliche,vom Flug geworfen,Polizei wirft Leiterin zu Boden,Handschellen, Drohungen,weil jemand Hebräisch sprach. Bern:„Kindermörder“ an Mauern,rote Dreiecke,über 30 Attacken auf dieselbe Person —eine Spur aus Hass. Rhodos:Messer-Mob jagt elf junge Israelis,30 gegen … Ich trage den Stern. weiterlesen

Wir erinnern. Für Shingal.

Als jüdischer Mensch lese ich heute die Worte einer jesidischen Freundin –und halte mit ihr inne. Unser Schmerz ist nicht derselbe.Aber wir erkennen einander darin. Dieses Gedicht ist meine Antwort.Meine Umarmung in Worten.Für Shingal.Für jede, die noch vermisst wird.Für jede, die überlebt hat.Für jede, die wir nie vergessen dürfen. Wir erinnern. Ich erinnere. Ich bin … Wir erinnern. Für Shingal. weiterlesen

Bashert – über das Finden

Man sagt,eine Seele wandert durch die Zeitmit einem Hauch von Erinnerungan jemanden,der noch nicht da istund doch fehlt. Man sagt,es gäbe einen Ruf,leise wie Wind in den Blättern,der dich dorthin führt,wo dein Herz zögert –aber bleibt. Vielleicht ist Bashertnicht der perfekte Mensch.Sondern der,bei dem dein Unruhigseinein Zuhause findet. Der nicht alles heilt,aber etwas in diratmen … Bashert – über das Finden weiterlesen

Zwölf Uhr fünfzehn

Die Glocken läutenund ich trete über die Schwellemit Stimmen im Herzen,die nicht meine sind. Papiergebetean einer Wand voller Hoffnung,ein Flüstern aus Tinte:„Hilf mir, trocken zu bleiben“„Ich vermisse meinen Sohn“„Gib Frieden. Irgendwo.“ Ich falte die Händefür Namen, die ich nicht kenne,für Körper,die Wunden tragen,für Leben,die brennen oder bröckeln. Dann, draußen –ein Satz wie ein Schlag.Er trifft … Zwölf Uhr fünfzehn weiterlesen

Ich bin. Und ich fühle.

I. Restposten Ich stehe da,im Schatten der Auswahl.Zweite Wahl –wenn überhaupt.Die Guten sind längstweitergezogen,in Hände,die jünger, glatter,leiser fordernd sind.Ich bin geblieben. Mit Narben,die niemand je gesucht hat.Mit Haut,die Geschichten erzählt,die keiner hören will.Mit einem Körper,der nie zur Schablone wurde.Mit fünfzig Jahrenund keinem Versprechen mehr. Ich spüre Blicke,aber sie schneiden,sie kleben wie Spottauf meiner Haut.Ich höre … Ich bin. Und ich fühle. weiterlesen

Flüstern zwischen den Trümmern

Du Herzschlag des Lebens,du leises Flüstern zwischen den Trümmern,hör unser Seufzen in dunkler Nacht. Die Erde blutet aus tausend Wunden,Kriege zerreißen den Himmel,Hass brennt wie Feuer durch die Straßen,Freundschaften fallen wie welke Blätter vom Baum. Die Schwachen werden an den Rand gedrängt,ihre Namen verwehen im Wind der Gleichgültigkeit.Mächtige thronen auf Bergen aus Leid,trunken vom eigenen … Flüstern zwischen den Trümmern weiterlesen

Wenn der Friede kommt

(für alle, die sehnsüchtig hoffen) Wenn der Friede kommt,wird er nicht laut sein,kein Marschtritt, kein Befehl,keine Siegerpose. Er wird leise treten,auf nackten Sohlen,wie Tau am Morgen,wie ein Kind, das schlafen lernt. Wenn der Friede kommt,wird er weinen mit den Weinenden,wird den Staub aus den Wimpern streichen,wird in Ruinen singen –von Hoffnung, die Wurzeln schlägt. Er … Wenn der Friede kommt weiterlesen

Brich mir das Herz nicht, Welt

(weil ich dich noch liebe) Brich mir das Herz nicht, Welt —doch du tust es jeden Tag.Mit jedem Schrei unter Trümmern,mit jeder Rakete,die ein Kinderlachen verschluckt. Da sind Mütter,die das Atmen verlernen,weil ihr Kind nicht mehr ruft.Da sind Väter,die aus Scham schweigen,weil sie nichts mehr geben könnenals Schutz mit bloßen Händen. Menschen,die sich aneinander klammernwie … Brich mir das Herz nicht, Welt weiterlesen

nach dem schwarzen Shabbat

(für Zayde) du hast überlebtaber nicht mehr geglaubt hast gesagt:wenn es einen Gott gäbe,dann wär das alles nicht passiert deine Händezitterten nie, wenn du das sagtestnur deine Stimme manchmalleise, wie Asche,die sich weigert, ganz zu vergehen ich glaubeaber nicht an einen Gott, der alles bestimmtnicht an einen, der schlägt, befiehlt, Befehle belltich glaube an einen,der … nach dem schwarzen Shabbat weiterlesen

For Those Sheltering Tonight

A poem for those we hold in our hearts Tonight, our hearts sit with yoursin stairwells or safe rooms,counting minutes between sirens. From far away,our hearts press close—breath held with yours,pulse matching your fear,our thoughts movingthrough stone and skyto sit beside youin the small spacewhere you waitfor silence to return. We imagine your handscupped around … For Those Sheltering Tonight weiterlesen