immer dieselbe frage.
wie ein schlüssel, der nicht passt,
aber trotzdem ins schloss gedrückt wird.
immer wieder.
bis etwas nachgibt.
woher kommen sie.
– aus bern.
nein, woher wirklich.
– aus deutschland.
nein, woher wirklich wirklich.
meine haut ist kein rätsel,
mein gesicht kein quiz,
meine geschichte kein menü zum auswählen.
ich sage:
jüdisch.
cherokee.
taino.
black.
und sehe, wie sich ihre gesichter entspannen.
ahhh.
zufriedenheit.
als hätten sie endlich
das richtige feld angekreuzt.
sie lächeln.
und ich lächle nicht zurück.
weil jedes ahhh
ein kleines messer ist –
freundlich,
aber scharf.
ich trage meine herkunft
nicht im pass,
sondern im atem.
im gesang.
im gebet.
in der weise,
wie ich trost spende
und licht halte.
auch wenn niemand fragt,
woher das kommt.
Mein Sohn: Spirituell, Oma indigen (Familie aus Curacao mit afrikanischen Wurzeln), black, mit deutscher Mutter (nicht gold, nur weiß). Schwarz/Rot/Gold – mit Flagge auf Halbmast; verstorben mit 37 Jahren; in dieser ‚weißen Welt‘ nie richtig angekommen, von seiner schwarzen Familie nie angenommen.
Leider musste ich erfahren, dass jeder Mensch Vorurteile hat. Liebe Grüße, Gisela
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Liebe Gisela,
danke, dass du so offen teilst, was du erlebt hast – und den Schmerz, der in deinen Worten spürbar ist.
Dein Verlust tut mir sehr leid.
Mein Text kommt aus einem anderen Ort, aber ich glaube, beide sprechen davon, wie tief Zugehörigkeit und Nicht-Zugehörigkeit in uns wirken.
Ich wünsche dir Frieden und liebevolle Erinnerungen an deinen Sohn.
Ari
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