Verlassen im Schatten der Welt: Rojava zwischen Verrat und Schweigen

In Rojava und Nordostsyrien geschieht gerade etwas, das die Welt kaum wahrnimmt. Menschen fliehen, Frauen werden verschleppt, ganze Gesellschaften stehen vor dem Abgrund – während ehemalige Feinde hofiert und unterstützt werden. Dieser Beitrag erzählt, warum die KurdInnen jetzt allein gelassen sind, und warum Solidarität mehr denn je notwendig ist.

In Nord- und Ostsyrien brennt eine Region, die einst Hoffnung war. Menschen fliehen aus ihren Städten, Frauen werden verschleppt und versklavt, ganze Familien verlieren ihr Zuhause und ihre Sicherheit. Und während diese Schrecken geschehen, stehen jene, die sie verteidigen sollten, an den Seitenlinien – Beobachter, Mächte, internationale Institutionen – und schweigen.

Die KurdInnen, die in den letzten Jahren für die Welt gekämpft haben, stehen nun allein. Sie waren „gut genug“, um gegen den IS alles zu riskieren: ihr Leben, ihre Städte, ihre Zukunft – und ihre Opfer haben sie gebracht. Doch was ist geblieben? Verlassenheit, Verrat und ein stilles Schweigen der Welt.

Die Syrian Democratic Forces (SDF), ein Bündnis kurdischer, arabischer und anderer lokaler Kräfte, kämpften über ein Jahrzehnt gegen den IS. Unter ihrer Führung entstanden Gefängnisse für tausende IS-Kämpferinnen und -Kämpfer, die für Terror und Mord verantwortlich waren. Sie verteidigten nicht nur Städte und Dörfer, sondern hielten die Mörder und Radikalen unter Kontrolle, damit die Region überleben konnte. Sie waren Bollwerk und Schutzwall zugleich, während die Welt sich auf eigene Interessen konzentrierte.

Und nun? Die Region wird erneut überrollt. Ehemalige Verbündete, die jahrelang in Co-Präsidentschaften und Volksräten demokratische Strukturen aufbauten, wenden sich ab. Die Menschen, die an Gleichberechtigung, Feminismus und Schutz für Minderheiten glaubten, werden verraten. Symbole des Widerstands werden zerstört – die Statue einer YPJ-Kämpferin wurde mit Seilen zu Boden gezerrt, unter Siegesrufen, Lachen und Takbir-Rufen der Angreifer. Ein Herzbruch für die Menschen, die in Rojava für Freiheit und Gleichheit kämpften.

Die Zerstörung dieser Statue einer Kämpferin, die gegen den IS kämpfte,
ist ein direkter Angriff auf die Erinnerung, den Widerstand und die Würde von Frauen.

Die internationalen Mächte tun kaum mehr, als zuzuschauen. Al-Jolani, der einst den IS unterstützte und nun erneut Dschihadisten aus Gefängnissen freilässt, wird hofiert. Vom Bundestag bis zum WEF wird er empfangen, während diejenigen, die ihn bekämpften und die Region schützten, allein gelassen werden. Millionen fließen, Machtstrukturen werden geschützt, doch diejenigen, die Opfer brachten, stehen auf verlorenem Posten.

Die Ungerechtigkeit bricht Herzen. Die Kurden wissen, dass ihr Kampf gegen den IS nicht umsonst war – für sie selbst jedoch scheint er vergeblich. Institutionen, die einst Schutz versprachen – die UN, Europa – wirken oft wie Märchen aus alten Zeiten. Sie schweigen, während Menschen leiden und sterben.

Die Bedrohung wächst weiter. Berichte zeigen, dass IS-Kämpferinnen und -Kämpfer aus Gefängnissen in Syrien und Irak freikommen, teilweise erneut mobilisiert werden, um Gewalt auszuüben. Neue Militäreinsätze und Operationen bedrohen angrenzende Regionen, während KurdInnen und Jesiden allein gelassen werden, um eine erneute Welle von Terror, Entführung und Gewalt abzufangen. Frauen und Kinder, die die Region terrorisiert haben, könnten erneut losgelassen werden, während internationale Staaten sich weigern, ihre Staatsangehörigen zurückzunehmen.

Was passiert, wenn die KurdInnen ausgelöscht werden? Ein Licht verschwindet von dieser Welt. Die Menschlichkeit verliert, nicht gewinnt. Der Mut, die Opferbereitschaft, die Vision einer gleichberechtigten, freien Gesellschaft – all das droht zerstört zu werden, weil die Welt wegsieht.

Doch gerade in dieser Dunkelheit ist Solidarität ein Licht. Wir können nicht alles retten, aber wir können Position beziehen:

  • Kein Applaus, keine Empfänge für Menschen, die Verbrechen gegen die Menschheit begingen.
  • Keine Millionenflüsse für diejenigen, die Unrecht säen.
  • Aufmerksamkeit, Schutz und Solidarität für die Kurden, Jesiden und alle Betroffenen.

Es ist eine Zeit, die das Herz schwer macht und das Atmen erschwert. Doch wer schweigt, verliert. Wer hinsieht, kann handeln. Auch kleine Taten, Worte der Solidarität, das Teilen von Informationen, das Erheben der Stimme für Gerechtigkeit – sie alle zählen.

Die KurdInnen haben alles gegeben. Jetzt sind wir gefragt, nicht wegzuschauen.

Biji Kurdistan!

Die Welt darf nicht still bleiben, während die Stimmen derjenigen, die für Freiheit und Gleichheit kämpften, verstummen.

Hinterlasse einen Kommentar