Heute wurde vor einer Synagoge in Manchester Menschen Gewalt angetan – am heiligsten Tag unseres Jahres. Ich bin erschüttert, voller Trauer und Angst. In diesem Beitrag teile ich meine persönliche Betroffenheit, benenne den Antisemitismus, der allzu oft verschleiert wird, und spreche ein Gebet für die Opfer, die Verwundeten und das jüdische Volk weltweit.
Heute bin ich erschüttert und voller Schmerz. Ein Anschlag auf eine Synagoge in Manchester – zwei Tote, mehrere Schwerverletzte. Und das ausgerechnet an Yom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag.
Yom Kippur ist der Tag der Umkehr, der Versöhnung, der Stille vor Gott. Es ist der Tag, an dem selbst diejenigen, die sonst kaum in die Synagoge gehen, zusammenkommen, fasten und beten. Dass ausgerechnet an diesem Tag Menschen angegriffen, verletzt, getötet werden – im Schutzraum ihrer Gemeinschaft – ist ein unfassbarer Hohn und ein tiefer Schlag gegen jüdisches Leben. Es trifft ins Herz.
Und doch lese ich in den Medien: „Vielleicht Antisemitismus.“
Wie kann man bei einem Angriff auf eine Synagoge an Yom Kippur überhaupt von „vielleicht“ sprechen? Es ist dieser Reflex des Verschleierns, des Zögerns, des Nicht-Aussprechens, der so bitter ist. Antisemitismus wird oft erst dann benannt, wenn es nicht mehr anders geht – und selbst dann noch im Konjunktiv.
Das Schweigen, das Relativieren, das „Vielleicht“ ist Teil des Problems. Es trägt dazu bei, dass jüdische Gemeinden in Europa seit Jahren das Gefühl haben: Wir sind nicht sicher, und wir werden nicht wirklich gehört.
Heute trauere ich um die Opfer. Ich bete für die Verletzten, für ihre Familien, für alle, die heute im Gotteshaus um ihr Leben fürchten mussten. Und ich sage: Wir müssen die Dinge beim Namen nennen. Antisemitismus ist real. Er ist tödlich. Und er darf nicht länger mit vorsichtigen Floskeln verdeckt werden.
Gebet
Ewiger,
an diesem Yom Kippur tragen wir die Last der Trauer und der Angst.
Wir wollten vor dir stehen mit offenen Herzen,
mit Bitten um Vergebung, mit Sehnsucht nach Leben und Erneuerung.
Doch stattdessen hören wir von Blut und Gewalt vor einem Haus des Gebets.
Wir gedenken derer, die heute in Manchester angegriffen wurden,
unserer Brüder und Schwestern, die sich sammelten,
um in Reinheit und Ernst diesen heiligen Tag zu begehen.
Ihr Schmerz ist unser Schmerz, ihre Tränen sind unsere Tränen.
Ewiger, behüte dein Volk Israel überall, wo es lebt.
Lass uns in Sicherheit beten, in Freude Feste feiern,
und nicht mit Furcht in deine Häuser gehen müssen.
Sei uns eine Mauer aus Licht gegen den Hass,
eine Quelle der Stärke, wenn wir müde sind,
und ein Trost, wenn die Welt uns nicht versteht.
Lehre uns, festzuhalten an deinem Bund,
uns nicht von der Finsternis überwinden zu lassen,
sondern in deinem Licht weiterzugehen.
Ewiger, erbarme dich deines Volkes Israel.
Heute, an diesem Tag der Versöhnung,
höre unser Rufen,
und sei uns nahe.
שׁוֹמֵר יִשְׂרָאֵל לֹא יִישָׁן, ה’ שׁוֹמֵרְךָ
(„Der HERR behütet Israel, er schläft nicht, der HERR ist dein Beschützer.“ – Psalm 121,4)
Amen.