Das Schweigen, das Jubeln, das angebliche «Pro‑Palästina»

Während Hamas in Gaza Zivilisten exekutieren, bleiben viele sogenannte „Pro-Palästina“-Aktivist:innen im Westen auffällig still. Sie fordern nicht das Ende der Gewalt, sie kritisieren nicht die extralegalen Exekutionen oder die sexuelle Ausbeutung von Frauen – stattdessen glorifizieren sie Terror und jubeln über Blut aus sicherer Entfernung. In diesem Artikel beleuchten Stimmen aus Gaza, palästinensische Menschenrechtsaktivist:innen und unabhängige Berichte die Realität vor Ort und decken die selektive Solidarität auf, die den Opfern mehr schadet als nützt.

Sie forderten Lärm, eine einzige Parole: Ceasefire. Sie skandierten, protestierten, liefen mit Kufiyas und Bannern durch die Städte. Und jetzt? Sobald ein Waffenstillstand tatsächlich in Kraft tritt, herrscht diesbezüglich Schweigen. Doch die Proteste gehen weiter  — wie kürzlich in Bern — und fordern weiterhin Intifada. Dasselbe Programm wie bisher. Doch keine Stimme zu den Exekutionen von Zivilisten – nicht durch Israel, sondern durch die Hamas. In dieser Stille offenbart sich etwas anderes: Das, was sich selbst „Pro‑Palästina“ nennt, hat in vielen Fällen nie wirklich für das Leben der Menschen in Gaza gekämpft, sondern einzig und allein gegen Israel. Die Menschen in Gaza sind nur Mittel zum Zweck.

Während des Ceasefires sollte die Hamas ihre Waffen wiederlegen. Stattdessen konsolidiert die bewaffnete Gruppe ihre Macht, wie Ahmed Fouad Alkhatib dokumentiert:

“All over Telegram, Hamas channels are making it clear and repeating their slogan: ‘We are the flood; we are the day after.’ Their terrorists emerged from the tunnels, and when they’re not executing or shooting Gazans, they walk around markets, steal aid & impose taxes like a gang. This is not the behavior of a group that’s demobilizing or deradicalizing. They are reinventing themselves as policemen and want to have a central role in the future of Gaza.”

Die Gewalt richtet sich gegen die Zivilbevölkerung. Extralegale Hinrichtungen, Einschüchterung der Bevölkerung und öffentlicher Terror sind Alltag. Ihab Hassan und Mahmoud Al-Zaq beschreiben die Brutalität an konkreten Beispielen – die Dughmash-Familie, öffentliche Exekutionen von Frauen und Männern, Kinder, die traumatisiert zurückbleiben. Die Independent Commission for Human Rights in Palestine bezeichnet diese Taten als schwere Menschenrechtsverletzungen. Hamza Howidy ergänzt:

“The group (Hamas) moves against Gazans, not ‚collaborators‘ in Gaza… What Hamas is doing against the Gazan families are ISIS-like terrorist acts, and it’s a fundamental part of Hamas’s identity & history.”

Diese Berichte kommen aus Gaza selbst, von Palästinenser:innen, die unter Lebensgefahr sprechen. Gleichzeitig beobachten wir: Viele sogenannte „Pro-Palästina“-Aktivist:innen im Westen schweigen. Sie posten nichts zu diesen Menschenrechtsverletzungen, sie relativieren sie nicht, sie feiern manchmal sogar Gewalt. Interessanterweise sind es oft nur Juden, Israelis oder Menschen, die wirklich für einen gerechten Frieden eintreten, die über diese Vorgänge berichten.

Besonders erschütternd ist das Schweigen feministischer Gruppen: Prinzipien wie Schutz von Frauen und Minderheiten gelten nur, wenn es gegen Israel geht. Berichte über sexuelle Ausbeutung von Frauen in Gaza – wie der AP-Artikel dokumentiert, werden Frauen gezwungen, Nahrung, Geld oder Arbeit im Austausch für sexuelle Handlungen zu leisten, während bewaffnete Gruppen Hilfsgüter für sich selbst abzweigen – erzeugen kein Aufschreien. Feministische Bewegungen, die sonst weltweit für Frauenrechte kämpfen, äußern sich kaum. Diese Ignoranz ist ungeheuerlich: Ausgerechnet Gruppen, die sonst weltweit für Frauenrechte kämpfen, verschließen die Augen vor der gezielten Ausbeutung palästinensischer Frauen (AP, 2025).

Hier zeigt sich ein tieferes moralisches Problem: Palästinensisches Blut ist ihnen billig – von jüdischem bzw. israelischem ganz zu schweigen. Viele, die aus der Ferne nach Gewalt und „Widerstand“ rufen, sitzen sicher in europäischen oder nordamerikanischen Städten. Sie riskieren nichts, erleben keinen Terror, keine Bomben, keine Zerstörung ihrer Häuser, keine Schüsse auf ihre Liebsten. Und wenn Menschen in Gaza sterben, glorifizieren sie diejenigen, die sie töten. Sie feuern Gewalt, Zerstörung, Tod und Terror an, als wäre es ein Videospiel. Aber es sind Menschen — mit Familien, Geschichten, Träumen, Leben.

Echte Solidarität würde für das Leben der Menschen eintreten, nicht nur gegen Israel mobilisieren. Sie würde ein Ende der Gewalt fordern, in jeder Dimension: gegen die israelische Armee, gegen Hamas, gegen jede Form von Terror, Unterdrückung oder Ausbeutung. Ein Schweigen der Waffen, Schutz von Zivilbevölkerung, Menschenwürde, medizinische Versorgung, eine politische Perspektive, die Teilhabe und Sicherheit erlaubt — all das gehört dazu.

Doch was wir sehen: Statt beim Waffenstillstand zu jubeln und dafür zu arbeiten, dass er bleibt und ein wirklicher Frieden entsteht, wird weiter über „Widerstand“ und Terror fantasiert. Es wird über Gewalt geschrien, während man selbst sicher ist. Es wird ignoriert, dass hinter jedem getöteten Menschen ein Schicksal steht, eine Familie, eine Geschichte.

Ein Ceasefire ist niemals schon Frieden, aber er schafft einen Raum, in dem Frieden möglich wird – nur wenn danach konsequent konstruktiv gehandelt wird: Entwaffnung bewaffneter Gruppen, rechtsstaatliche Verfahren, humanitäre Hilfe, Schutz von Frauen und Kindern, politische Perspektiven, die den Menschen vor Ort echte Teilhabe ermöglichen. Wer stattdessen weiter Krieg fordert oder die Exekution von Zivilist:innen feiert, arbeitet nicht für das Leben der Palästinenser:innen — sondern gegen es.

Fazit

Solidarität misst sich daran, wofür man eintritt, nicht daran, wogegen man ist. Wer wirklich „für Palästina“ steht, fordert das Ende aller Gewalt, die Einhaltung von Menschenrechten und eine Zukunft in Sicherheit, Würde und Frieden für alle. Es reicht nicht, nur gegen Israel zu mobilisieren oder auf Social Media „Pro-Palästina“ zu posten.

Viele Aktivist:innen im Westen agieren jedoch genau so: Ihr Hauptanliegen ist die Mobilisierung gegen Israel. Das Leben der Menschen in Gaza oder der Westbank ist für sie oft nur Mittel zum Zweck. Wenn andere Akteure als Israel für Tod und Gewalt verantwortlich gemacht werden könnten, bleibt das Schweigen – es ist egal oder wird sogar egal auf welche Art und Weise Israel zugeschoben.

Echte Solidarität bedeutet, Empathie für alle Leidenden zu haben – unabhängig von Staatszugehörigkeit, Politik oder Religion. Leid bleibt Leid, und unschuldige Menschen zu verlieren ist schlimm, egal wer verantwortlich ist. Wer palästinensisches Leben wirklich wertschätzt, erhebt seine Stimme gegen extralegale Hinrichtungen, sexuelle Ausbeutung und willkürliche Gewalt in Gaza.

Es bedeutet, den Schutz von Zivilist:innen einzufordern, Frauenrechte zu verteidigen, humanitäre Hilfe zu sichern und gleichzeitig politische und soziale Strukturen zu fördern, die langfristige Sicherheit, Teilhabe und Perspektiven ermöglichen. Dauerhafter Frieden heißt: Waffen schweigen, Menschenrechte werden respektiert, Hoffnung kehrt zurück – für alle, nicht nur für eine Seite.

Alles andere ist Doppelmoral, selektive Empathie und, im schlimmsten Fall, Mitschuld am weiteren Leid. Wer schweigt, während Menschen misshandelt, getötet oder ausgebeutet werden, trägt Verantwortung. Wer jubelt, wenn Waffen schweigen, aber nicht für dauerhaften Frieden arbeitet, verkennt die Tragweite des Geschehens. Es ist Zeit, radikal pragmatisch zu handeln – für Israelis und Palästinenser:innen, für Gerechtigkeit, Menschlichkeit und eine Zukunft, die allen gehört.

Vorher-Nachher: Danke an die unbekannten Aktivist:innen fürs übersprayen – und das laut aussprechen.

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