Ich habe vor einigen Tagen über die messianische Überhöhung von Donald Trump durch seine Anhänger geschrieben. Was damals noch Projektion war, ist jetzt Selbstinszenierung geworden. Wenn Anhänger jemanden zum Messias machen, ist das problematisch.
Wenn er dieses Bild selbst übernimmt, ist das eine weitere Grenzüberschreitung.

Ich habe vor einigen Tagen darüber geschrieben, wie Anhänger Donald Trump messianisch überhöhen1.
Das ist nicht neu. Politische Führer sind immer wieder religiös aufgeladen worden – mit Hoffnungen, Ängsten, Projektionen.
Doch es gibt eine Grenze.
Solange Menschen jemanden zum Retter erklären, bleibt – zumindest theoretisch – die Möglichkeit, dass dieser widerspricht.
Dass er sagt: Halt. Diese Rolle steht mir nicht zu.
Dass er zurückweist, was ihm nicht gehört.
Diese Grenze ist jetzt überschritten.
Nachdem er den Papst öffentlich als „schwach“ bezeichnet hat, hat Trump ein Bild von sich selbst verbreitet: als heilende, lichtdurchflutete Gestalt, in einer Bildsprache, die unmissverständlich an Jesus von Nazaret erinnert.
Das ist keine Projektion mehr.
Das ist Selbstinszenierung.
Und damit verschiebt sich etwas Grundsätzliches.
Propheten und falsche Hirten
Die biblischen Propheten sind in solchen Fragen überraschend klar. Sie kritisieren nicht einfach „Unglauben“, sondern Führer, die sich selbst erhöhen und dabei das Volk gefährden.
Im Buch Ezechiel heißt es:
Wehe den Hirten, die sich selbst weiden.
Im Buch Jeremia:
Wehe den Hirten, die die Schafe zugrunde richten.
Das Kriterium ist eindeutig:
Nicht Größe. Nicht Stärke.
Sondern: Dient Führung dem Leben der Menschen – oder sich selbst?
Wer sich selbst ins Licht stellt, während andere bedroht sind, steht nicht in der Tradition der Propheten.
Er steht unter ihrer Kritik.
Jesus und die Verweigerung der Macht
Noch deutlicher wird es bei Jesus.
Jesus von Nazaret heilt – aber ohne Selbstverherrlichung.
Er wirkt – aber verweist auf Gott.
Er entzieht sich genau der Rolle, in die ihn viele drängen wollen.
In der Versuchungsgeschichte (Evangelium nach Matthäus) weist er spektakuläre Machtdemonstration zurück.
In seiner Lehre sagt er:
Die Herrscher dieser Welt unterdrücken – bei euch soll es nicht so sein (vgl. Evangelium nach Matthäus).
Und im Gleichnis vom Weltgericht (Evangelium nach Matthäus) wird klar:
Maßstab ist nicht Macht, sondern Barmherzigkeit.
Der Maßstab ist der Hungrige.
Der Fremde.
Der Gefangene.
Nicht das Bild im Licht.
Sondern die Tat im Verborgenen.
Die Umkehrung
Was wir derzeit sehen, ist eine Umkehrung genau dieser Maßstäbe.
Ein religiöser Führer, der zur Barmherzigkeit mahnt, wird als „schwach“ abgewertet.
Gleichzeitig wird Macht in eine Bildsprache gehüllt, die Heil, Licht und Rettung suggeriert.
Das ist kein Zufall.
Das ist eine Verschiebung von Autorität:
Weg von einem Evangelium der Barmherzigkeit –
hin zu einer Inszenierung von Stärke.
Doch das Evangelium kennt keinen starken Messias im Sinne politischer Überlegenheit.
Es kennt keinen, der sich selbst ins Zentrum stellt.
Falscher Messias
Es reicht nicht, das „Blasphemie“ zu nennen.
Das Problem liegt tiefer.
Ein falscher Messias ist nicht einfach jemand, der lügt.
Sondern jemand, der:
- Heil verspricht
- sich selbst ins Licht setzt
- und dabei den Weg Gottes verlässt
Denn dieser Weg ist nicht Triumph, sondern Hingabe.
Nicht Selbstüberhöhung, sondern Dienst.
Wer sich selbst in messianischer Bildsprache darstellt, widerspricht diesem Weg.
Nicht, weil er zu wenig religiös ist –
sondern weil er das Zentrum verschiebt:
weg von Gott
hin zu sich selbst.
Und das Volk?
Bei all dem darf eines nicht verloren gehen:
Das Volk im Iran – und überall dort, wo Menschen unterdrückt werden – schreit nicht nach Untergang.
Es schreit nach Leben.
Nach Freiheit.
Nach Würde.
Zwischen dem berechtigten Wunsch nach Veränderung und der Vorstellung, eine ganze Zivilisation könne „sterben“, liegt ein Abgrund.
Diesen Abgrund dürfen wir nicht übersehen.
Schluss
Nicht die Verehrung macht den falschen Messias.
Sondern das Einverständnis mit ihr.
Und genau deshalb braucht es heute mehr als Ratlosigkeit.
Es braucht Widerspruch.
Absolut, hab den Artikel in 20 Minuten auf den Status gestellt , eigentlich sollte die ganze Christenheit aufschreien !
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Ja, und ich frage mich, wann und ob es seinen Anhängern zu viel wird…!
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