Wer schliesst wen aus?

Privatnachricht, auf Instagram bekommen

Ich bekomme immer mal wieder Nachrichten und/oder Kommentare auf Instagram. Dies (Bild links) ist so ein Beispiel.

Die gestellte Frage kann ich genauso gut zurückgeben: wer schliesst hier wen aus? Doch da man Fragen ja meist nicht mit Gegenfragen beantworten sollte, schreibe ich erst mal ein paar Zeilen dazu. Es sind meine eigenen Gedanken.

Je nachdem, welche Umfrage oder Statistiken man anschaut, sind ca. 10-12% aller jüdischen Menschen Anti-Zionisten und Nicht-Zionisten, oder bezeichnen sich als solche.

Wie ich in einem Post zu Zionismus bereits erwähnte, hat Zionismus verschiedene Spielarten und Ausprägungen. Die einfachste Definition ist, für das Existenzrecht Israels und jüdische Selbstbestimmung einzustehen – nichts mehr und nichts weniger. Davon ausgehend, gibt es verschiedene Arten von Zionismus: linken und rechten, kulturellen und religiösen etc. Manche Menschen bezeichnen sich als „sehr zionistisch“, andere „als etwas zionistisch“. Kahanismus ist nicht mit Zionismus zu verwechseln. 

Die Existenz dieses Staates ist durchaus vereinbar mit palästinensischer Selbst- und Gleichberechtigung, und friedvoller Koexistenz. Zionist oder Zionistin zu sein sagt nichts über die Kritikfähigkeit oder Kritikunfähigkeit gegenüber des Staates und seiner Regierung Israel aus; im Gegenteil.

Anti-Zionisten sind demnach gegen jüdische Selbstbestimmung und gegen den Staat Israel, und oft in ihrem Gebaren auch für dessen gewaltsame Zerstörung, die mit der gewaltsamen Vertreibung und Tod dessen jüdischen Bevölkerung einhergehen würde (insofern man bereit ist, den Konsequenzen einer solchen Zerstörung realistisch ins Auge zu blicken).

Wer von „Millionen von antizionistischen Juden und Jüdinnen“ spricht, die aktivistisch tätig sind, mag zahlenmässig einerseits Recht haben, bläst deren Anzahl jedoch dennoch unverhältnismässig auf. Es geht um rund 10% von 100% aller jüdischen Menschen. Bei 15 Millionen Juden und Jüdinnen auf der Welt sind dies lediglich ca. 1.5 Millionen. Es sind jedoch für pro-palästinensische, oder eher, für für pro-Hamas/Hezbollah etc. Kreise die einzigen jüdischen Stimmen, die für sie zählen. Sie bleiben die „echten Juden“, alle anderen Juden und Jüdinnen werden zu „Zionisten“, die man meint, sie zum Schweigen bringen zu dürfen und müssen, sie verunglimpfen darf, beschimpfen, verprügeln, als die eigentlichen Antisemiten und gar als Nazis bezeichnen darf.

So komme ich zur Frage: wer schliesst hier wen aus? Und ist judenhassend? 

Ich spreche antizionistischen jüdischen Menschen ihr jüdischsein nicht ab. Wer jüdisch geboren ist, wer jüdisch ist, der ist es. Das heisst aber nicht, dass sie nicht antisemitisch sein können. Schon früher, zu Zeiten des klassisch-christlichen Judenhasses gab es Juden, die zum Christentum konvertierten. Ob ihrer Geburt blieben sie jüdisch, doch gehörten sie mit zu den ärgsten Anstachlern und Handreichern der argen Antisemiten und Judenverfolgern ihrer Zeit – sei es zur Zeit der Inquisition oder anderswo. Eines schliesst das andere nicht aus.

Wenn eine Person damit beginnt, mir zu sagen, dass ich bzw. meine Perspektive ignorant und unangenehm sind, gehe ich nicht von einem aufrichtigen Interesse an einem Dialog aus, aus dem gelernt werden will, aus. Dazu wäre der Wille zum differenzierten Denken notwendig, und ich bin mir dessen nicht sicher.

Wie bin ich dazugekommen, so zu denken, wie ich denke? Das würde wohl den Rahmen eines Posts sprengen. 

Ahavat Yisrael.
Erfahrungen, die ich im Laufe meines Lebens gemacht habe.

Israel ist für mich nicht einfach nur ein Staat, ein politisches Gebilde -the „zionist entity“- es ist der Ort, an dem ich mich zum ersten Mal zu Hause fühlte; angekommen, angenommen, nicht diskriminiert. Die Verbindung zum Land und der Geschichte spürend, an allen Ecken und Orten. Land, Erde, Mutter, Ursprung, Verbindung. Und nicht nur Land – auch die Menschen, die dort Leben, von dort kommen – Am Yisrael – Vorfahren, verstreut und zurückgekehrt, und dort geblieben.

Wenn es heisst „Mein Haus soll ein Bethaus für alle Nationen sein“, dann heisst das für mich, dass ich darauf hoffe, dass wir eines Tages alle zusammen in Frieden -mehr als nur ein Schweigen der Waffen- dort leben werden.

Ein Gedanke zu “Wer schliesst wen aus?

  1. Ich habe den Eindruck Du bist eine Wandererin zwischen mehreren Welten Frau/Mann, jüdisch/christlich. Sehr interessant. Ich stelle mir das anstrengend vor. Andererseits sind Menschen wie wir, Grenzgängerinnen, Brückenbauerinnen unverzichtbar in trennenden Zeiten und nie wollen die anderen verbindendes hören…Nein ich habe den obigen Text nicht falsch verstanden. Position beziehen schließt Brückenbau im Ergebnis nicht aus. Konkret werde ich mich hüten zu einem komplexen Thema wie der Politik Israels Stellung zu beziehen. Dazu habe ich zu wenig Ahnung davon. Meine Brückenbauaufgaben warten anderswo…

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