Psalm der zerbrochenen Tage

Du Ewiger, sie standen bereit,
Yaron und Sarah –
Liebende unter offenem Himmel,
vor dem Haus der Erinnerung,
Doch der Tod wartete,
nicht schweigend,
sondern rufend:
„Free Palestine“,
mit einem Tuch,
das nicht für Heimat steht,
sondern für Hass.

Was war ihr Verbrechen,
diese zwei,
deren einziges Vergehen
ihre Liebe war
und ihr jüdischer Name?

Zwei Tage danach
zogen sie durch Bern,
nicht in Trauer,
nicht in Demut.
Sie schrien die alten Worte
in neue Masken gekleidet:
„From the river to the sea“ –
eine Auslöschung,
ein Wunsch nach Leere
an dem Ort, den wir Heimat nennen.
„Globalize the Intifada“ –
ein Ruf nach Krieg,
nach Blut,
nach jüdischem Blut.

Sie schleuderten Feuer,
nicht nur mit Händen,
auch mit Worten.
Sie marschierten auf die Synagoge zu,
als wollten sie auch hier
Heilige Orte zerbrechen.
Sie sagten: Freiheit.
Aber was ich sah,
war Angst.
War Schlacht.
War der Wunsch,
dass es uns nicht mehr gibt.

Und ich frage dich, Gott:
Wie lange noch?
Wie lange müssen wir
unsere Toten begraben
und uns dann noch sagen lassen,
wir seien selbst schuld?

Ich sehe das Tuch –
die Kufiyah,
und mein Herz verkrampft.
Nicht aus Hass,
sondern aus Schmerz.
Denn wer sie trägt,
spricht oft nicht von Frieden.
Sondern von einem Wunsch,
dass meine Familie nicht mehr atmen soll.

Und doch,
wir leben.
Wir leben noch.
Wir lieben.
Wir trauern.
Wir halten zusammen.
Denn das ist, was es heißt,
Teil dieses Volkes zu sein:
Durch Jahrtausende von Feuer zu gehen
und doch nicht zu verbrennen.

Ich bete, Ewiger:
Bringe die Geiseln heim.
Jede Mutter, jeden Vater,
jedes Kind.
Mach Schluss mit dem 7. Oktober,
lass ihn enden,
nicht nur in der Zeit,
sondern in der Seele.

Ich vergesse nicht
die anderen,
die leiden,
auch auf der anderen Seite.
Auch sie verdienen Leben,
nicht Tod.
Aber der Weg zum Frieden
führt nicht durch Pogrome,
nicht durch Hetze,
nicht durch Masken aus Parolen.

Du bist unser Fels.
Wir sind müde,
aber wir stehen.
Verwundet,
aber verbunden.
Israel, mein Volk,
mein Herz,
mein Zuhause,
meine Hoffnung.

Wir singen noch.
Trotz allem.
Ein Lied vom Leben.
Ein Lied der Rückkehr.
Ein Lied des Friedens,
der mehr ist als eine Waffe
im neuen Namen.

Selah.

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