Ich trage den Stern.

Bus M19, Berlin:
71 Jahre, liest Hebräisch —
ein Blick reicht,
die Mütze fliegt vom Kopf,
Wut stiehlt seinen Raum.

Iberia, Spanien:
Koschere Mahlzeiten,
Sticker mit Hass,
nur auf jüdischem Essen.

Valencia:
44 Jugendliche,
vom Flug geworfen,
Polizei wirft Leiterin zu Boden,
Handschellen, Drohungen,
weil jemand Hebräisch sprach.

Bern:
„Kindermörder“ an Mauern,
rote Dreiecke,
über 30 Attacken auf dieselbe Person —
eine Spur aus Hass.

Rhodos:
Messer-Mob jagt elf junge Israelis,
30 gegen 11,
einige gefasst, getreten, gefilmt,
während er um Gnade fleht –
andere flüchten,
verjagt vom eigenen Urlaub.

Tirol, Campingplatz:
25 Jahre Ehe,
Einfahrt verweigert,
„Für Juden kein Platz“ —
Stille, wo Liebe sein sollte.

Spanien, Vigo:
Wirt schreit: „Haut ab, ihr Hurensöhne!“
Vertreibt Gäste,
weil sie Israeli sind.

Italien, Autobahnraststätte:
Rabbiner, kleiner Sohn,
„Free Palestine!“ schallt,
15, 20 Leute schlagen zu,
Tritte, Flüche, Morddrohungen —
vor dem Kind.

Ich trage den Stern.

Sie sind Heuchler.
Sie schweigen, wenn Drusen massakriert werden.
Sie drehen weg, wenn Jesidinnen vergewaltigt, ermordet, verschleppt werden.
Sie schauen weg, wenn die Türkei kurdische Dörfer zerbombt.
Sie ignorieren Morde an Christen in Nigeria.
Sie schweigen über Blut in Sudan.

Sie marschieren mit iranischen Flaggen,
dort, wo gestern noch „Jin, Jiyan, Azadi“ klang.
Sie jammern über Hunger in Gaza,
während sie die Huthis feiern,
die ihre Kinder verhungern lassen.

Sie sind Lügner.
Doppelmoral in Reinform.
Mit einem Finger auf uns zeigend,
mit vier anderen blutverschmiert.

Ich trage den Stern.

Heute,
stand ich mit ihm um den Hals,
dachte daran, ihn abzulegen.
Scham kroch in die Kehle,
doch ich verneinte.
Meine Vorfahren haben nicht
Jahrhunderte des Hasses und der Angst
erlitten,
damit ich klein werde.

Ich trage den Stern.
Nicht weil es leicht ist.
Nicht weil ich will.
Weil sie ihn mir entreißen wollen.
Weil sie mich zum Schweigen bringen wollen.
Aber ich spreche.
Ich schreie.
Ich wütend bin.
Ich trage den Stern.
Weil er Teil von mir ist.
Weil ich nicht verschwinde.
Nicht jetzt.
Nicht hier.

Ich trage den Stern.

Ich bin nicht allein.
Nicht still.
Nicht klein.
Ich trage den Stern.
Bis das Licht brennt.
Nicht weil ich will.
Sondern weil ich muss.
Weil ich es darf.
Weil ich es nicht anders will.
Leuchte, Stern,
wie ein Stern in der Nacht.

Oder… soll ich’s noch mal lauter sagen?

Ich trage den Stern.

Berlin, Bus M19.
71 Jahre alt.
Hebräisch lesen.
Das reicht, um dich anzugreifen.
Mütze weggerissen.
Verpisst euch, ihr Juden.

Spanien.
Koschere Mahlzeiten?
Mit Hass beklebt, extra für uns.
Ihr seid der Dreck.

Valencia.
44 Jugendliche.
Vom Flug geholt, rausgeschmissen.
Weil sie Hebräisch reden.
Polizei knallt die Leiterin zu Boden, Handschellen.
Weil sie sich wehrt.

Bern.
„Kindermörder“ an die Wände geschmiert.
Rote Dreiecke, täglich.
30 Mal angegriffen, immer dieselbe Person.
Kein Bock auf uns.

Rhodos.
Messer-Mob hetzt uns.
11 gegen 30.
Gefasst, getreten, gefilmt.
Flucht oder Tod.

Tirol, Campingplatz.
25 Jahre Ehe.
Kein Platz für Juden.
Abgewiesen, gedemütigt.

Vigo, Spanien.
Wirt brüllt:
„Haut ab, ihr Hurensöhne!“
Weil wir Israelis sind.

Italien, Autobahn.
Rabbiner und Kind.
„Free Palestine“ schreien sie.
20 Leute prügeln, treten, fluchen.
Vor den Augen des Kindes.

Ich trage den Stern.

Heuchler.
Sie sehen zu, wenn Drusen abgeschlachtet werden.
Wenn Jesidinnen vergewaltigt werden.
Wenn Türkei kurdische Dörfer plattmacht.
Wenn Islamisten in Nigeria Christen ermorden.
Wenn Sudan im Blut ertrinkt.

Sie pfeifen auf Gerechtigkeit.
Sie tragen die Flaggen des Irans,
wo gestern noch Freiheit schrie.
Sie weinen um Gaza,
doch feiern die Huthi-Mörder, die ihre Kinder verhungern lassen.

Doppelmoral in Reinform.
Finger auf uns zeigen,
Waffen in der Hand.

Ich trage den Stern.

Heute.
Ich trage ihn sichtbar, laut, trotzig.
Ich lasse mich nicht kleinmachen.
Meine Vorfahren haben die Hölle überlebt,
damit ich nicht weglaufe.

Ich trage den Stern.
Nicht weil es leicht ist.
Weil es richtig ist.
Weil ich nicht schweige.

Hinterlasse einen Kommentar