‘Glory to October 7’ – Graffiti, die Terror feiern, gefährden Menschlichkeit und Erinnerung. Hass verhöhnt die Opfer. Antisemitische Graffitis in Basel zeigen, dass Gewalt niemandem hilft – weder Jüd:innen noch Palästinenser:innen. Ein Beitrag über Verantwortung, Erinnerung und die Stimmen aus Gaza.
Einleitung
Seit dem 7. Oktober 2023 wiederholt sich in Basel ein erschreckendes Muster: An einem Tag, der an jüdische Opfer erinnert, tauchen Parolen und Graffitis auf, die nicht nur politischen Aktivismus vortäuschen, sondern antisemitische Gewalt verherrlichen. Diese Entwicklung ist alarmierend – und sie erfordert eine klare gesellschaftliche Reaktion.
Hintergrund

Am 7. Oktober 2023 ereignete sich ein antisemitischer Anschlag, dessen Opfer bis heute nicht vergessen sind. Normalerweise sind solche Daten Anlass für Trauer, Gedenken und Erinnerung. Doch in Basel wird dieses Datum nun missbraucht: Sprüche wie „Death to Zionism“ und „Glory to the 07. Oct“ tauchen an Wänden auf, oft ergänzt durch einen sogenannten „Action Report“, in dem die Täter ihr Tun feiern.
Analyse
Diese Parolen sind kein Ausdruck legitimer politischer Kritik. Sie verhöhnen Opfer und Erinnerung, sie feiern Massenmord und antisemitische Gewalt. Die Grenzen zwischen politischer Meinung und Verherrlichung von Gewalt verschwimmen hier bewusst.
Historisch gesehen sind solche Erscheinungen kein harmloser Vandalismus. In der Vergangenheit haben ähnliche Rituale der Verherrlichung antisemitischer Taten Gewaltbereitschaft, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung befördert. Sie tragen zur Verrohung des gesellschaftlichen Klimas bei – und gefährden jüdisches Leben direkt. Es ist in der Tat mehr als nur Vandalismus: Es ist Ausdruck eines enthemmten Hasses, der nicht mehr zwischen politischer Kritik und antisemitischer Gewaltverherrlichung unterscheidet.
Die Sprüche „Death to Zionism“ und „Glory to the 07. Oct“ sind in diesem Kontext – und an diesem Tag – eindeutig: Sie verhöhnen die Opfer des 7. Oktober, sie feiern den Massenmord an Jüdinnen und Juden, sie attackieren die Erinnerung selbst.
Das ist kein „Aktivismus“.
Das ist keine „politische Aussage“.
Das ist ein Angriff auf die Würde, auf das Gedenken, auf die Menschlichkeit.
Solche Parolen sind nicht nur schändlich, sie sind gefährlich – weil sie ein Klima schaffen, in dem Gewalt wieder denkbar, sagbar, rechtfertigbar wird. Dass eine Gruppe das mit einem „Action report“ feiert, zeigt, wie tief die Verrohung reicht.

Die Spirale des Hasses schadet allen
Gerade dieser Hass hilft niemandem – weder den Palästinenser:innen noch sonst jemandem. Er ruft nur zu weiteren Morden, sexualisierter Gewalt und Zerstörung auf, wie der 7. Oktober tragischerweise gezeigt hat. Menschen aus Gaza haben wiederholt gesagt, dass der 7. Oktober „die Zerstörung Gazas über uns gebracht“ habe – Tod, Gewalt, Leid – und dass sie Hamas dafür verfluchen.
Ahmed Fouad Alkhatib, ein palästinensischer Journalist aus Gaza, bringt es auf den Punkt:
„Der 7. Oktober war einer der beschämendsten Tage in der Geschichte des palästinensischen Volkes; Gaza und mein wunderschönes Volk mit dem schlimmsten Angriff auf das jüdische Volk seit dem Holocaust in Verbindung zu bringen, ist eine schmerzhafte und furchtbare Tragödie, mit der ich und viele Palästinenser:innen nichts zu tun haben wollen. Ich wünschte, mehr ‚pro-palästinensische Aktivist:innen‘ würden das anerkennen, respektieren und als Fakt und legitime Wahrheit akzeptieren.“
Er erinnert außerdem daran:
„Heute gedenken wir auch der arabischen, muslimischen, beduinischen, afrikanischen, thailändischen und anderer Menschen, die am 7. Oktober 2023 von Hamass rücksichtsloser und faschistischer Gewalt getötet oder als Geiseln genommen wurden. Dieser verhängnisvolle Tag hatte nichts mit ‚Widerstand‘ oder ‚Besatzung‘ zu tun; es war abscheuliche, animalische Barbarei.“
Alkhatib kritisiert ausdrücklich die westlichen Aktivist:innen, die antisemitischen Hass verbreiten, während sie vor allem ein Ende des Krieges und ein Leben in Sicherheit ignorieren:
„Jene, die Hamass Terror am 7. Oktober feiern oder glorifizieren, sind abscheuliche Menschen und haben kein moralisches Recht, über das Leiden der Menschen in Gaza zu sprechen. Der Hass, den sie ausleben, trägt nicht zu Frieden oder Gerechtigkeit bei, sondern nur zu weiterer Gewalt, Zerstörung und Leid – für alle Beteiligten.“
Gesellschaftliche Verantwortung
Die wiederholten Graffitis zeigen, wie dringend eine klare, entschiedene Haltung nötig ist. Schweigen oder Wegsehen stärkt die Täter und normalisiert das Unrecht. Eine demokratische Gesellschaft trägt Verantwortung: Schutz jüdischen Lebens, Achtung der Erinnerung und konsequentes Einstehen für Menschlichkeit müssen Priorität haben. Es geht nicht nur um die Erinnerung der Opfer von 2023 – es geht auch um das Verhindern neuer Spiralen von Gewalt, die durch Hass und ideologische Verblendung geschürt werden.
Es braucht heute mehr denn je dringend eine klare, mutige Antwort:
Nicht Schweigen.
Nicht Wegsehen.
Sondern ein entschiedenes Nein – aus der Mitte der Gesellschaft,
aus der Verantwortung heraus, dass jüdisches Leben in Basel, in der Schweiz, in Europa selbstverständlich geschützt und geachtet bleibt.
Fazit
Das Problem ist größer als einzelne Schmierereien: Es ist Ausdruck eines enthemmten Hasses, der in unserer Mitte wächst, wenn wir nicht handeln. Gedenken darf nicht gestört, Erinnerung darf nicht verhöhnt werden. Die Gesellschaft muss Position beziehen – klar, unmissverständlich und solidarisch. Die Stimmen aus Gaza, die Gewalt ablehnen und sich ein Ende der Spirale wünschen, zeigen: Hass hilft niemandem, er zerstört nur Leben.
Schlusswort
Nicht Schweigen. Nicht Wegsehen. Ein entschiedenes Nein – aus der Mitte der Gesellschaft, für die Würde, für das Gedenken, für das Leben. Und für die Überzeugung, dass weder Jüd:innen noch Palästinenser:innen, noch sonstige Menschen Opfer von Gewalt und Hass werden dürfen.
Danke!
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