Vom „Ceasefire“ zur Gewalt – wie die Palästina-Solidarität eine neue Stufe der Radikalisierung erreicht hat

Zwei Jahre lang hallte ‚Ceasefire now‘ durch Europas Straßen. Jetzt zeigen Plakate, Demo‑Parolen und Campus‑Posts ein anderes Gesicht: Teile der Bewegung fordern offen das Ende des jüdischen Staates — und in einigen Fällen auch den Tod von Andersdenkenden. Dieser Text dokumentiert die Belege und fragt: Was bleibt vom humanitären Argument, wenn die lautesten Stimmen das Gegenteil wollen?

Einleitung

Seit zwei Jahren war „Ceasefire now“ die zentrale Parole auf pro-palästinensischen Demonstrationen in Europa und Nordamerika. Politiker, Künstler und Aktivisten wiederholten sie in Endlosschleife, die Forderung nach einem Waffenstillstand wurde zum moralischen Imperativ. Doch kaum ist dieser erreicht, zeigt sich ein Muster, das schon lange erkennbar war: Frieden war nie das Ziel. Das Schlagwort „Ceasefire“ war nur ein taktisches Vehikel. Heute lautet die Parole unverblümt: Israel darf nicht existieren.

Eine Entwicklung, die in den letzten Monaten sichtbar eskaliert ist – in Parolen, auf Plakaten, in Social-Media-Stories, auf Konzerten, und zunehmend auch in offener Gewalt.

1. Der Wandel der Parole: Vom „Ceasefire“ zum offenen Eliminationsaufruf

Die britische Times berichtete kürzlich über einen bemerkenswerten Diskurswechsel: Pro-palästinensische Aktivisten bezeichnen „Ceasefire“ inzwischen als „oppressor’s term“. Zwei Jahre lang diente genau dieser Begriff als politisches Druckmittel, als Banner für Massenmobilisierungen. Doch kaum erfüllt, wird er abgeworfen wie eine leere Hülle.

Dieser Diskurs erinnert frappierend an ein Zitat, das in den letzten Jahren immer wieder im Umfeld westlicher Aktivisten auftauchte: „Peace is a white man’s word.“ Frieden, so die Logik, sei ein koloniales Konzept, das Befreiung verhindere. Dass viele dieser Aktivisten selbst weiß und westlich sozialisiert sind, ist eine der vielen Ironien. Entscheidend ist: Das Ziel war nie, Frieden zu erreichen, sondern nur eine weitere Eskalationsstufe vorzubereiten.

2. Plakate, die keine Illusion mehr lassen

In New York tauchten zuletzt massenhaft Plakate auf, die keine rhetorischen Schleier mehr benutzen:

„It doesn’t matter if there’s a ceasefire – we don’t stop until Israel ceases to exist.“

Solche Einzelaushänge werden in der Stadt großflächig verbreitet. Hier ist nichts mehr von „humanitärem Waffenstillstand“ oder „Zivilisten schützen“ zu hören. Der Krieg gegen Israel ist nicht ein Mittel, sondern das Ziel.

Ein Blick nach Europa zeigt: dieselbe Botschaft findet man auch hier auf Stickern, Spray-Tags und Bannern. Von „End Zionism“ über „Death to the IDF“ bis hin zu „Fuck Israel“ – der Tonfall hat sich radikalisiert und verfestigt.

3. Offene Strategiepapiere: „Nach dem Ceasefire kommt die Eliminierung“

Die Organisation Palestinian Youth Movement formulierte es jüngst unmissverständlich:

„While a ceasefire has been central demand of our movement, it only marks one phase of aggression: we remain committed to confronting and dismantling Zionism in all its forms.“

Damit wird der „Ceasefire“-Diskurs retrospektiv als Etappe entlarvt: erst Pause erzwingen, dann den nächsten Schlag vorbereiten.

Besonders drastisch äußerte sich eine Allianz aus Gruppen, darunter Jewish Voice for Peace, die in einer Stellungnahme schrieb, man sei verpflichtet, „Zionismus aus jeder Ecke jüdischen Lebens zu tilgen.“

Spätestens hier ist klar: Es geht nicht mehr um Kritik an israelischer Politik. Wer „Zionismus aus jüdischem Leben tilgen“ will, meint nicht Netanyahu oder die Siedlungspolitik – er meint den jüdischen Selbstbestimmungsanspruch selbst. Damit wird der antisemitische Kern sichtbar: das Bestreiten eines jüdischen Kollektivrechts, das jeder anderen Nation selbstverständlich zugestanden wird.

4. Die Demo-Praxis: Von „Ceasefire“ zu Gewaltparolen

Die Realität auf europäischen Straßen illustriert diese Verschiebung. Am 11. Oktober in Bern etwa waren Parolen zu hören und zu lesen wie:

  • „Kill your local Zionist“
  • „Death to Zionist scum“
  • „Nique Israel“
  • „Fuck Sionist“
  • „Victory to the Resistance“
  • „Intifada until Victory“

Noch schärfer im Ton: In einer Instagram-Story postete ein Mitglied der Juso Bielingue, im Nachgang der Demo, den Aufruf: „schlachten wir diese Nazi-Bande, nieder mit den genozidgeilen Zioschweinen des Staates.“

Natürlich ist es richtig: Nicht jede Person auf einer solchen Demo teilt diese Ansichten. Schweizer Rentner:innen oder Hausfrauen, die glauben, für Frieden einzustehen, würden sich wohl entsetzt abwenden, wenn sie den vollen Gehalt dieser Rhetorik verstünden. Dennoch bestimmen genau diese radikalen Akteur:innen die Organisation, die Lautstärke und die inhaltliche Agenda der Demonstration.

5. Internationale Aktivistengruppen: SPJ als Beispiel

Auch international zeigt sich eine ähnliche Radikalisierung. Die Gruppe Students for Justice in Palestine (SPJ) veröffentlichte auf Instagram die Parolen:

„Death to the occupation. Death to Zionism. Death to all collaborators.“

SPJ hat Hunderte von Chapters an College-Campussen in den USA. Die Botschaft ist klar: Die Zerstörung Israels wird explizit gefordert, und wer nicht mit der Ideologie übereinstimmt, wird als „Kollaborateur“ stigmatisiert – selbst palästinensische Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, die nicht ins radikale Narrativ passen, werden explizit als legitime Zielscheiben erklärt.

Ein besonders aufschlussreicher Widerspruch zeigt sich in der selektiven Empörung: Wenn israelische Soldaten einen palästinensischen Zivilisten töten, werden sie reflexartig als „Mörder“ oder „Genozid‑Nazis“ dämonisiert. Gleichzeitig propagiert SPJ die Tötung von Zivilpersonen, die nicht ins eigene ideologische Raster passen. Dieses doppelte Maß verdeutlicht, dass es nicht (nur) um humanitären Schutz geht, sondern um ideologische Säuberung: israelische Streitkräfte werden verteufelt, während die Bewegung die Tötung von Palästinensern legitimiert, die nicht ins eigene Weltbild passen.

6. Popkultur und Subkultur als Verstärker

Eine neue Stufe der Normalisierung zeigt sich in der Subkultur. Bei Konzerten von Bands wie Bob Vylan oder Kneecap rufen Künstler ins Mikrofon: „Death, death to the IDF!“ oder „Fuck Israel!“ – begleitet vom Jubel des Publikums. Mitschnitte dieser Sätze landen in Instagram-Stories junger Menschen, die sich selbst als „links“ und „progressiv“ begreifen.

Gleichzeitig verbreiten sich in urbanen Räumen Sticker und Graffiti mit denselben Botschaften: „End Zionism“, „From the River to the Sea“. Sie markieren Straßen, Hauswände, Brücken. Der Kampf gegen Israel wird so zum kulturellen Lifestyle-Symbol.

7. Gewalt trotz „Ceasefire“: Barcelona als Menetekel

Dass diese Entwicklung nicht bei Worten stehen bleibt, zeigt der Blick nach Spanien. In Barcelona kam es Mitte Oktober zu massiven Ausschreitungen pro-palästinensischer Demonstranten – obwohl ein Waffenstillstand bestand. Autos brannten, Geschäfte wurden zerstört, Straßen blockiert.

Auch hier wiederholt sich das Muster: Der „Ceasefire“ wirkt nicht als befriedende Maßnahme, sondern als neuer Anlass zur Eskalation. Selbst dort, wo die Waffen schweigen, wird Gewalt entfesselt.

8. Analyse: Warum diese Radikalisierung?

Drei Faktoren sind zentral:

  1. Taktischer Sprachgebrauch
    – Begriffe wie „Ceasefire“ wurden bewusst gewählt, weil sie für breite Allianzen mobilisierbar sind. Wer könnte gegen einen Waffenstillstand sein? Doch sobald er erreicht ist, wird die Rhetorik gewechselt.
  2. Diskursive Dominanz der Radikalen
    – In der Praxis bestimmen nicht die stillen Mitläufer:innen den Ton, sondern die Lautesten. Radikale Parolen verdrängen jeden moderaten Diskurs. Das führt dazu, dass Demos strukturell von jenen geprägt sind, die Israels Existenzrecht negieren.
  3. Subkulturelle Normalisierung
    – Was früher nur am Rand radikaler Gruppen zu hören war, sickert durch Musik, Social Media und Popkultur in den Mainstream bestimmter Milieus. Junge Menschen skandieren „Intifada until victory“ mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der sie Klimaschutz fordern.

9. Globale Kontinuität und Vernetzung

Vergleicht man die Szenen in New York, Bern, Barcelona und den USA, zeigt sich eine bemerkenswerte Kontinuität:

  • In London lehnten Aktivist:innen den Begriff „Ceasefire“ als „Begriff der Unterdrücker“ ab.
  • Diplo.act dokumentiert offen, dass der Waffenstillstand nur eine erste Phase war.
  • SPJ zeigt, wie transnationale Gruppen die gleiche Logik über Campus-Netzwerke verbreiten.

Die globale Vernetzung verstärkt die Wirkung radikaler Forderungen, auch wenn sie lokal nur von einer Minderheit lautstark vertreten werden.

10. Folgen für Legitimität und öffentliche Wahrnehmung

Die Dominanz radikaler Stimmen hat Konsequenzen:

  • Humanitäre Anliegen werden durch radikale Parolen überlagert.
  • Dialog und Debatte werden erschwert.
  • Medienberichte neigen dazu, die gesamte Bewegung unter dem radikalen Licht zu sehen.

Die Radikalisierung erschwert die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, politischen Entscheidungsträger:innen oder internationalen Institutionen, die Schutz von Zivilist:innen fokussieren.

Schluss: Der entlarvte Diskurs

Die Bewegung hat ihre Maske fallen lassen. Der „Ceasefire“ war nie das Ziel. Das Ziel ist, Israel verschwinden zu lassen – politisch, kulturell, physisch.

Viele westliche Mitläufer:innen glauben weiterhin, es gehe um Frieden. Doch die lautstarke, radikale Minderheit zeigt das Gegenteil: Ihr Ziel ist die Eskalation, nicht der Schutz von Menschenleben. Wer „Peace“ sagt, aber „Intifada until victory“ meint, will nicht den Frieden – sondern den Untergang.

Quellen

The Times:
“Ceasefire is ‘oppressor’s term’, say pro-Palestinian protesters”
https://www.thetimes.com/uk/politics/article/palestine-protests-gaza-ceasefire-peace-deal-g0hkhg2sc

Diplo.act:
“The next step after the Ceasefire: Eliminate Israel”
https://www.diplo.act/report

GB News:
“Barcelona riots: Pro-Palestine mobs trash Spain tourist hotspot in violent clashes”
https://www.gbnews.com/news/world/barcelona-riots-palestine-spain-violent-clashes

Instagram / Social Media Screenshots:

  • Bern, 11. Oktober 2025: diverse Parolen und Banner (Screenshots)
  • Instagram-Story: „schlachten wir diese Nazi-Bande, nieder mit den genozidgeilen Zioschweinen des Staates“
  • SPJ (Students for Justice in Palestine) Instagram: „Death to the occupation. Death to Zionism. Death to all collaborators.“

Popkultur / Konzerte / Graffiti:

  • Bob Vylan/Kneecap-Konzerte: Rufe wie „Death, death to the IDF!“ oder „Fuck Israel!“ (verschiedene Social-Media-Mitschnitte)
  • Sticker und Spray-Tags in europäischen Städten: „End Zionism“, „From the River to the Sea“, Kill your local Zionist“, „Death to Zionist scum“, „Death, death to the IDF!“ „Intifada until Victory“ (eigene Beobachtungen/Screenshots)

New York / Stadtplakate:

  • Einzelplakate: „It doesn’t matter if there’s a ceasefire – we don’t stop until Israel ceases to exist“ (Screenshots vorhanden)

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