Crans-Montana, ZAKA und die Delegitimierung jüdischer Hilfe

Es ist traurig – und zugleich bezeichnend für unsere Zeit –, dass schon wieder ein solcher Text notwendig ist. Eine Naturkatastrophe erschüttert ein Dorf, Menschen sterben, Jugendliche gelten als vermisst, Familien bangen. Und doch gelingt es nicht, bei der Anteilnahme stehen zu bleiben.

Die Katastrophe von Crans-Montana

Am 1. Januar erschütterte die Tragödie von Crans-Montana die Schweiz. Tote, Vermisste, eine Gemeinschaft im Ausnahmezustand. Unter den Vermissten befinden sich auch jüdische Jugendliche. Die Bilder, die Berichte, die Stille danach – all das verlangt zunächst eines: Respekt, Mitgefühl, Zurückhaltung.

ZAKA – wer hilft, wenn andere nicht mehr können

Im Rahmen der Rettungs- und Bergungsarbeiten wurde auch ZAKA beigezogen.

ZAKA ist eine zivile, freiwillige Such- und Rettungsorganisation aus Israel. Ihre Mitglieder sind speziell darauf geschult, nach Katastrophen, Unfällen oder Anschlägen Tote und selbst kleinste Körperteile zu bergen. Diese Arbeit geschieht nicht aus Sensationslust, nicht aus politischem Kalkül, sondern aus einem klaren ethisch‑religiösen Motiv: Kavod ha‑Met, die Würde der Toten.

ZAKA arbeitet international, auf Anfrage, oft im Hintergrund. Die Organisation ist nicht militärisch, nicht staatlich gesteuert und nicht propagandistisch. Ihr Einsatz dient einzig dem Respekt vor den Opfern – unabhängig von deren Herkunft oder Religion.

Gerade dort, wo jüdische Jugendliche vermisst werden, ist der Einsatz einer jüdischen Organisation zudem Ausdruck von innerjüdischer Solidarität und religiöser Pflicht.

Wenn Hilfe politisch kontaminiert wird

Vor diesem Hintergrund wiegt es schwer, wenn ein führender Schweizer Politiker die Katastrophe rhetorisch nutzt, um Israel als Staat pauschal moralisch zu diskreditieren.

In seinem Kommentar bezeichnet Mauro Poggia die Tragödie von Crans-Montana als einen „glücklichen Umstand“ für die israelische Regierung, die dadurch angeblich ungestört eine „ethnische Säuberung“ fortsetzen könne. Israel wird als „tödliche Krankheit“ beschrieben, als grundsätzlich verbrecherisch.

Auch wenn ZAKA im Text nicht namentlich erwähnt wird, ist die Wirkung klar:

  • Alles, was aus Israel kommt, wird moralisch kontaminiert.
  • Humanitäre Hilfe wird als zynisches Ablenkungsmanöver lesbar.
  • Jüdische Helfer geraten unter Generalverdacht.

Damit wird nicht nur Israel kritisiert, sondern jüdische Humanität delegitimiert.

Ein bekanntes Muster

Diese Form der Argumentation ist nicht neu. Sie folgt einem Muster, das in der Antisemitismusforschung gut dokumentiert ist:

  • Jüdische Hilfe wird nicht als Mitmenschlichkeit anerkannt, sondern als eigennützig verdächtigt.
  • Katastrophen werden politisch instrumentalisiert.
  • Der jüdische Staat wird pathologisiert und moralisch total verurteilt.
  • Jüdische Opfer verschwinden aus dem Blickfeld.

Das ist nicht in der Form eines offenen, vulgären Judenhasses formuliert. Gerade deshalb wirkt es umso gefährlicher: Es reproduziert antisemitische Denkmuster, die modern, politisch codiert und scheinbar moralisch begründet auftreten.

Warum das nicht „nur eine Meinung“ ist

Der Autor dieser Aussagen ist Ständerat. Seine Worte haben Gewicht. Sie fallen in einer Phase laufender Rettungsarbeiten. Sie betreffen eine Minderheit, die selbst betroffen ist.

Wer in einem solchen Moment jüdische Hilfe implizit delegitimiert, trägt zur Vergiftung des öffentlichen Klimas bei – auch dann, wenn er sich selbst als Kritiker von Antisemitismus versteht.

Ein notwendiges Innehalten

Kritik an israelischer Politik ist legitim. Sie ist notwendig. Aber sie verliert jede moralische Glaubwürdigkeit, wenn sie:

  • Katastrophen instrumentalisiert,
  • jüdische Hilfsorganisationen diskreditiert,
  • und jüdische Opfer unsichtbar macht.

Crans-Montana ist kein geopolitisches Schlachtfeld. Es ist ein Ort der Trauer.

Vielleicht wäre es an der Zeit, zumindest hier innezuhalten.

Nicht alles, was gesagt werden kann, muss gesagt werden.
Und nicht jede politische Anklage gehört an den Ort menschlichen Leids.

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