Die SP und die Beständigkeit des linken Judenhasses

Letztens klingelte mein Telefon. Es war jemand von der SP dran. Ob ich mich schon entschieden hätte, wen ich denn bei den anstehenden Stadtratswahlen wählen würde? Es war jemand von der PS am Telefon die mir natürlich riet, PS zu wählen. Ich habe jahrelang – eigentlich schon immer SP gewählt muss ich gestehen. Aber das ist vorbei. 

Die SP für ist für mich unwählbar geworden. 

Ich würde fast am liebsten eintreten, um austreten zu können.

Was sich diese Partei (SP und JuSo), bzw. ihre Stellvertreter, ehemaligen Stellvertreter und Kandidaten besonders seit dem 7. Oktober 2023 geleistet haben -entweder mündlich, schriftlich, auf social media, durch Präsenz an Universitätsbesetzungen, durch Auslassungen und anderweitig- geleistet hat, geht für mich, mit Verlaub, auf keine Kuhhaut mehr.

Ich bereue inständig, bei den letzten Wahlen im Kanton Bern auf das Frauenticket der SP im Kanton Bern gesetzt zu haben, stand ich doch mit Tamara Funiciello bei einem Slam zum feministischen Streiktag noch auf einer Bühne. Irgendwie hatte ich den utopischen Traum, beim Feminismus ginge es um alle Frauen. Ich meine, wirklich um alle – aber auch bei der SP heisst es #MeTooUnlessYouAreAJew.

Linker Antisemitismus ist nichts Neues. Bereits Jean Améry und Adorno schrieben darüber. Das oder ein Spezifikum des linken Antisemiten ist vielleicht, dass er sich hartnäckig weigert, sich als Antisemit zu sehen – «Ich bin doch kein Antisemit, ich bin lediglich israelkritisch», oder wie es heute heisst, «Ich habe kein Problem mit Juden, ich bin Antizionist». Dass beiden meist dasselbe sind oder zumindest eng aneinander geschmiegt Hand in Hand gehen und die Übergänge fliessend sein können, sofern man sich nicht an gewisse Regeln hält, wird dabei geflissentlich übersehen oder mit einer selbstgefälligen Handbewegung beiseite gewischt.

So haben sich unter anderem Vertreter und Vertreterinnen feministischer und queer-feministischer Ideen nicht nur mit jüdischen Frauen desolidarisiert und bei Gewalt an Jüdinnen und Juden bewusst weggeschaut (und tun dies immer noch), sondern solidarisieren sich gleichzeitig unkritisch mit radikal-religiösen Terroristen unter Inbezugnahme eines postkolonialen Motivs, vermischt mit einem Antiimperialismus der zum einen die lange muslimisch-arabische Kolonialgeschichte nirgends anerkennt und in Frage stellt und andererseits permanent nicht nur Israels Existenzrecht in Frage stellt, sondern auch jüdische Geschichte und Kultur untergräbt.

Doppelstandards, Dämonisierung und Delegitimierung ist bei manchen Vertretern der Linken geradezu die Regel, so zum Beispiel die SP-Politikerin Pia Holenstein Weidmann. Ihr Blog «Sieh selbst», der sich auf ihrer Website befindet, strotzt nur so davon. Wer sich dorthin begibt und für sich selbst sieht, wird sehen, dass sie seit dem 1. März ganze 74 Einträge auf ihrem Blog verfasst hat, wovon 62 massiv anti-israelisch sind (Stand: 22. September 2024). Man würde denken, dass sich eine Schweizer Politikerin zuerst einmal für Schweizer Politik und Bevölkerung interessiert – sollte man zumindest meinen. Es gibt genügend Baustellen hier. 

Screenshot der Originalversion des Blogeintrags

Der zurzeit letzte Eintrag ist ein gutes Beispiel. Thema: die Pager-Attacke auf die Kämpfer der Hisbollah. Gestern Abend trug er zunächst noch den Titel «Der 7. Oktober ist nichts dagegen» bis er sich im Laufe des Abends wie durch Zauberhand in «Der 7. Oktober ist keine Entschuldigung!» änderte – mit der Bemerkung, dass der Titel vielleicht missverständlich gewesen wäre, dass der 7. Oktober ja schon schlimm gewesen wäre, wie es halt so ist mit Überfällen, aber… …aber nie hätte jemand so sehr die gesamte Menschheit terrorisiert in der Dimension, wie Israel es tut.

Am ersten Titel war nichts missverständlich. Er war so, wie er gemeint war. Ein Fliegendreck im Vergleich zum Rest aus ihrer Sicht – passend zur Sicht vieler ihrer linken und pro-palästinensischer Genossen und Genossinnen. 

Screenshot der modifizierten Version vor der Unsichtbarmachung

Der ganze Blogeintrag ist so voller Brüche der 3D-Regel, dass man nicht weiss, wo man anfangen soll (von «möchten» kann kaum die Rede sein). «Noch nie», schreibt Frau Holenstein Weidmann, «hat eine Kriegsmacht einen derart schrecklichen Angriff auf die gesamte Zivilisation gemacht». Israel. Der Jude unter den Nationen. Da ist er wieder, der Jud, der die Zivilisation bedroht, angreift, zerstört. Ein wenig weiter fügt sie hinzu, dass dies «die israelische Methode» sei, und dass «Israel das schon immer macht». Seitdem sei der Hamas-Überfall des 7. Oktober 2023 verständlich – und die mit dem Hamas-Überfall assoziierten Gräueltaten («Vergewaltigungsgeschichten» genannt) nichts als Lügengeschichten. Die wahren Bestien würde man jetzt deutlich erkennen.

Sie schreibt zwar, sie würde den Schmerz respektieren, doch wenige Zeilen weiter heisst es, dass es nicht toleriert, wenn jüdische Menschen von ihrer tiefen Verletzung und Betroffenheit durch diesen Tag reden, einfach nur, weil sie jüdisch sind. Würde sie das auch zu palästinensischen Menschen sagen, die in anderen Ländern leben, aber noch nie in Gaza waren, sich aber von diesem Krieg betroffen fühlen? Ich denke nicht. Doppelstandards nennt man das.

In einem anderen Artikel, Anspielung auf die gute Behandlung der israelischen Geiseln in Gaza; Zweifel daran, was den Geiseln in Gaza geschehen ist, und Zweifel daran, dass die 6 Geiseln wirklich so erschossen wurden wie berichtet. Alles – nur nicht so, wie die Juden (Israelis) es sagen!

Doch nicht genug: um den Hass gegenüber dem Judenstaat zu untermauern, reichen Doppelstandards und Dämonisierung nicht aus, es werden auch noch «Hisbollah wie Hamas-Angehörige [als die]… friedlichen Büro-, Medizin-, Erziehungsmenschen» gezeichnet, die sie für Frau Holenstein Weidmann sein können. Wer auch nur über mehr als das Basiswissen Tiktok für Anfänger über Hisbollah und Hamas weiss, der weiss dass diese beiden weit mehr als nur «politische Parteien» sind, und wer mit Libanesen geredet hat -gerade nicht-Hezbollah Anhängern und/oder Christen- oder Syrern, der weiss, wie dieses auf diese «politische Partei zu sprechen sind, und für was diese alles verantwortlich sind. Ebenso die Hamas – sie sollte mit Menschen aus Gaza sprechen, die gegen die Hamas protestiert haben. Bildung schadet auch dann nicht, wenn sie gegen das eigene Weltbild geht. Oder würde sie das gleiche über ISIS sagen?

Doch ich fürchte, das wird vergebens sein, hat die Dame eine lange Geschichte des Judenhasses, der sich als Israelkritik camoufliert – wie bei so vielen Linken. Damit passt sie wohl gut in die SP, die bei diesem «Problem» den Kopf in den Sand gesteckt hat, und zwar so tief, dass sie nicht mehr rauszukommen scheint – denn beim Nachwuchs schaut es kaum besser aus.

Ein gutes Beispiel ist Jonas Mauduit, der bei der JuSos Bielingue für den Stadtrat in Biel kandidiert bzw. kandidiert hat. Auf seinem (öffentlichen) Instagram Profil eine (Palästinenser) Melone und das Hamas-Dreieick (muss man das noch erklären? Das Dreieick meine ich…) Hinter dem unschuldig aussehenden Gesicht verbirgt sich ein Kämpfer für ein «Freies Palästina» (statt für ein weniger verschuldetes Biel und anderes, was dort anliegt, soziales zum Beispiel…), ein Kämpfer gegen «Polizeigewalt», ein Universitätsbesetzer (Lausanne & Bern) … Welch ein Profil für die SP! Und diese beiden sind ja nur zwei Beispiele unter anderen.

Ja, sie ist in Tat unwählbar geworden. Keine Partei, in die ich mein Vertrauen noch setzen kann – denn sie spiegelt so gut das, was mit der Linken nicht stimmt, und will es nicht sehen. Feministinnen, Queere, Linke – sie alle zusammen. Von Selbstreflexion ist da nicht viel zu spüren. Von Abwehrreflex aber schon.

Da wo ich mal dachte, dass ich dort hingehöre.

Addendum: Auf Geheiss der SP-Leitung ist der letzte Blog-Eintrag „Der 7. Oktober ist nichts dagegen“ nun zwar gelöscht worden, doch mit ihren eigenen Worten steht sie noch immer hinter dem, was sie darin geschrieben hat (20 Minuten). Und wieder problematische Formulierungen, sich darstellen als Opfer, eine Stimme, die zum Schweigen gebracht werden muss, ähnlich Al-Jazeera in Israel (AJ, auch in mehreren arabischen Staaten gebannt da katarische Staatsmedia und Propaganda mehr als «nur» Nachrichtensender, nur so hier am Rande). Ach, wieder die die bösen Jud- nein, Zionisten. Israelis. 

Quellen:

https://piaholenstein.ch/2024/09/19/der-7-oktober-ist-nichts-dagegen/

https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/links-ja-sp-nein/

https://www.20min.ch/story/zuerich-nur-eine-kriegshandlung-unter-vielen-sp-lerin-erntet-kritik-103190210

Ein Gedanke zu “Die SP und die Beständigkeit des linken Judenhasses

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