Hier nicht. So nicht. Mit uns nicht.

Seit 650 Tagen erleben Jüdinnen und Juden in Bern eine zunehmende Atmosphäre der Einschüchterung – sichtbar auf den Strassen, spürbar im Alltag. Nun erhielt Rabbiner Josh Ahrens einen Drohbrief. Das ist keine Meinung mehr. Das ist Gewalt mit Worten. Und es ist Zeit, dass wir als Stadt, als Gesellschaft, als Mitmenschen eine klare Grenze ziehen: Hier nicht. So nicht. Mit uns nicht.

Antisemitismus konkret – nicht irgendwo, sondern hier

Seit dem 7. Oktober 2023 sind 650 Tage vergangen. Doch es geht längst nicht mehr primär um Gaza oder um Israel. Es geht um Antisemitismus in Bern – um Hass, der sich hier und jetzt entfaltet, und um eine Stadt, in der sich viele jüdische Menschen nicht mehr sicher fühlen.

  • Rote Hamas-Dreiecke, gesprüht an Laternen, Mauern und Verteilerkästen – auch im Quartier der Synagoge.
  • Menschen, die Ivrit sprechen, trauen sich nicht mehr auf die Strasse.
  • Familien, die hier schon lange leben, spüren Einschüchterung – und haben den Eindruck, dass es der politischen Mehrheit in dieser Stadt gleichgültig ist.

Ein Drohbrief an unseren Rabbiner

Jetzt kam es zu einem weiteren Vorfall:
Rabbiner Josh Ahrens erhielt einen Drohbrief, in dem ihm und seiner Familie offen gedroht wird – wegen seiner Haltung zu Israel.

Das ist keine Meinungsäußerung. Das ist Einschüchterung.
Rabbiner Ahrens ist ein Mensch des Dialogs, engagiert im interreligiösen Gespräch. Er selbst hat es klar gesagt:

„Meinungsverschiedenheiten dürfen sein – aber Drohungen sind völlig fehl am Platz.“

Kein Rabbiner ist eine Mauer

Ein starker Rabbiner ist kein Schutzschild. Die Gemeinde ist stark, gemeinsam. Doch niemand sollte allein an vorderster Front stehen müssen. Wir dürfen nicht zulassen, dass ausgerechnet Menschen, die Verantwortung tragen, die Stimme erheben, die Brücken bauen – jetzt zum Ziel werden.

Was wir brauchen: Sichtbarkeit, Haltung, Solidarität

Antisemitismus darf keinen Platz haben:
– nicht auf der Strasse,
– nicht in der lokalen Politik,
– nicht in der Kultur.

Jetzt, 650 Tage nach dem 7. Oktober, ist es Zeit, eine Mauer zu bauen. Nicht aus Beton, sondern aus Haltung, Sichtbarkeit und Solidarität. Eine Mauer, die markiert:

Hier nicht. So nicht. Mit uns nicht.

Zeigt Flanke. Jetzt.

Was es jetzt braucht:
– Menschen, die Flanke zeigen.
– Eine Stadtgesellschaft, die sich nicht wegduckt.
– Eine Öffentlichkeit, die versteht, dass der Kampf gegen Judenhass nicht irgendwo geführt wird – sondern hier.

Solidarisiert euch mit Rabbiner Ahrens.
Lasst ihn nicht allein.
Lasst uns gemeinsam sichtbar machen: Diese Drohungen treffen uns alle. Und wir ziehen die Linie.

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