Raum für Trauer: Nationaler Trauertag Crans-Montana

Heute entzünden wir ein stilles Licht des Gedenkens. Wir halten inne bei den Opfern von Crans-Montana, bei den Hinterbliebenen und allen, die trauern. In diesem virtuellen Raum der Gedanken und Gebete können wir Trauer teilen, Nähe spüren und die leisen Lichter der Hoffnung leuchten lassen – ein Moment der Stille, der trägt.

Heute ist der nationale Trauertag für Crans-Montana.
Wir gedenken der 40 Menschen, die ihr Leben verloren, und der vielen Verletzten.
Ich halte inne bei all den Hinterbliebenen und trauernden Familien.
Heute darf Trauer sichtbar sein, darf Raum einnehmen, ohne dass wir sie erklären müssen.

Worte reichen nicht aus, um den Verlust zu fassen.
So viele junge Leben, mitten am Anfang ihres Weges, abrupt genommen.

Schmerz, Leere, Ohnmacht – alles darf sein, alles darf gespürt werden. Schweigen ist erlaubt; wir müssen nicht verstehen, wir dürfen nur fühlen. Manchmal ist es die Stille selbst, die am stärksten trägt, das ungesagte Mittrauern, das geduldige Aushalten der Leere.

Manchmal fühlt es sich allein an, in dieser Trauer.

Trotz Menschen um uns. Das Geschehene lässt uns nicht los. Und wage ich zu sagen, zu glauben: inmitten dieser Trauer ist Gott bei uns. Er sieht die Tränen, er hält sie aus. Gott wischt sie nicht weg, macht nichts ungeschehen, aber bleibt nah. In der Trauer sind wir nicht allein. Seine Nähe trägt, auch wenn wir keinen Trost verstehen können.

»Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.
Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen.
Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben,
kein Klagegeschrei und keinen Schmerz.
Denn was früher war, ist vergangen.«
[1]

Wenn wir diesen Worten begegnen,
spüren wir zuerst vielleicht eine tiefe Sehnsucht
und zugleich eine leise Skepsis.

Kann das wirklich so sein?
Kann Gott jede Träne abwischen,
ohne dass das Geschehene ungeschehen wird?

Ja, meint der Text – und zugleich ist es kein Versprechen,
das das Leid wegnimmt.

Es ist ein Versprechen der Gegenwart, der Nähe.
Gott tritt nicht ein, um das Unglück zu leugnen,
sondern um die Tränen selbst zu halten.

In diesem Halten liegt Trost,
nicht in schnellen Lösungen.
Gott schaut nicht weg,
er bleibt bei uns,
mitten in der Ohnmacht,
mitten in der Trauer,
mitten in der Frage: „Warum?“

Jede Träne wird gesehen, jede Stille wird gehört.

Der Vers öffnet uns einen Blick auf das,
was bleibt, auch wenn das Leben zerstört wurde:
die Liebe, die nicht zerbricht,
die Nähe, die niemand nehmen kann.

Gott begleitet die Trauernden Schritt für Schritt,
er trägt die Lasten,
die Worte nicht ausdrücken können.

Wir müssen nicht alles verstehen,
um die Nähe Gottes zu spüren.

Dieses Abwischen der Tränen
ist ein Bild für ein sanftes Mittragen,
ein leises Aufheben der Einsamkeit.

Und so lässt der Vers Raum für das,
was wir fühlen,
ohne uns zu drängen,
zu erklären oder zu reparieren.
In jedem Moment der Trauer
kann Gottes Gegenwart uns berühren,
selbst dort,
wo wir nur schweigen können.

So halten wir hier inne – gemeinsam, in Gedanken und Gebet. Wer heute trauert, ist nicht allein. Virtuelles Gedenken schafft einen Raum, in dem Nähe spürbar wird, und jeder Moment der Stille verbindet uns miteinander.

Heute dürfen wir einfach still sein, bei den Tränen, beim Schmerz, bei der Erinnerung. Möge dieser Augenblick der Trauer, dieses leise Gedenken, allen, die betroffen sind, ein wenig Trost schenken – getragen von der Gegenwart Gottes, der jede Träne sieht und aushält.

Wenn du möchtest, kannst du hier deine Gedanken, Gebete oder Erinnerungen in den Kommentaren hinterlassen. So wird dieser Ort zu einem kleinen Raum der Gemeinschaft, in dem wir miteinander trauern und einander tragen können.

Gebet

Ewiger,
Quelle des Lebens,
du gehst mit uns
durch die Dunkelheit der Trauer.
Du siehst jede Träne,
hörst jedes Wort,
auch das,
was wir nicht aussprechen können.
Halte unsere Herzen,
trage die Last unserer Sehnsucht,
sei Nähe,
wo Einsamkeit drückt,
sei Atem,
wo Stille schwer liegt.
Segne die Trauernden,
die Verletzten,
die, die verloren haben,
und schenke uns Mut,
den Schmerz zu tragen,
die Erinnerung zu bewahren,
und die Liebe, die bleibt,
spürbar zu halten.
Amen.


[1] Offenbarung 21,4

Ein Gedanke zu “Raum für Trauer: Nationaler Trauertag Crans-Montana

Hinterlasse eine Antwort zu Loewe BLN Antwort abbrechen