Ewiger,
du Quelle allen Lebens,
du Gott, der die Namen der Menschen kennt,
bevor wir sie aussprechen können.
Heute kommen wir zu dir mit erschütterten Herzen.
Wir verstehen nicht, was geschehen ist.
Wir stehen vor dem Abgrund menschlicher Gewalt
und suchen deine Gegenwart inmitten des Schmerzes.
Wir bringen dir die sechs Menschen,
deren Leben gewaltsam beendet wurde.
Sechs Menschen mit Geschichten, mit Hoffnungen, mit Menschen, die sie liebten.
Sechs Menschen, die gekommen waren, um zu begleiten, zu helfen, zu tragen.
Nimm sie auf in deinen Frieden, Ewiger.
Lass dein Licht über ihnen leuchten.
Wir bitten dich für ihre Familien,
für ihre Freundinnen und Freunde,
für ihre Kolleginnen und Kollegen,
für alle, die heute einen geliebten Menschen verloren haben.
Wo Worte fehlen, sei du nahe.
Wo die Trauer zu schwer wird, halte du mit aus.
Wo Fragen bleiben, die keine Antwort finden,
schenke deine stille Gegenwart.
Wir bitten dich für alle, die in dieser Einrichtung leben.
Für die jungen Mütter und ihre Kinder,
die einen Ort der Sicherheit gesucht haben
und dort einen Moment unbegreiflicher Angst erleben mussten.
Heile die Wunden, die man nicht sieht.
Schenke ihnen Menschen, die ihnen Halt geben.
Lass Vertrauen neu wachsen, wo es erschüttert wurde.
Wir bitten dich besonders für das Kind,
das im Mittelpunkt eines Konfliktes stand,
der in tödliche Gewalt ausgebrochen ist.
Behüte dieses junge Leben.
Umgib es mit Menschen, die Liebe schenken,
mit Weisheit begleiten
und die Last der Erwachsenen nicht auf seine Schultern legen.
Wir bitten dich für alle Menschen,
die in zerbrochenen Beziehungen, in Streit und Verzweiflung leben.
Für alle, deren Schmerz so groß wird,
dass sie nur noch Zerstörung sehen.
Ewiger, pflanze in unsere Herzen die Erinnerung,
dass kein Mensch ein Besitz ist,
dass kein Konflikt ein Leben wertlos macht,
dass kein Leid das Recht gibt, Leid zu vermehren.
Wir bitten dich für alle, die in der Jugendhilfe, in Beratung und Begleitung arbeiten.
Für Menschen, die täglich die Geschichten anderer tragen.
Für alle, die Schutzräume schaffen und Hoffnung bewahren.
Stärke ihre Hände, erhalte ihre Zuversicht,
und lass unsere Gesellschaft ihren Dienst sehen und würdigen.
Wir bitten dich auch für die Einsatzkräfte,
für Polizei und Rettungskräfte,
für alle, die helfen mussten,
wo andere verletzt wurden.
Trage du mit an den Bildern, die sie nicht loslassen.
Schenke ihnen Heilung für ihre Seelen.
Ewiger,
wir legen diese Stadt, diese Menschen und diese ganze Situation in deine Hände.
Wo Gewalt gesät wurde, lass nicht die Gewalt das letzte Wort behalten.
Wo Angst Raum gewonnen hat, schenke wieder Vertrauen.
Wo Herzen hart geworden sind, öffne Wege zurück zur Menschlichkeit.
Du bist der Gott, der die Tränen sieht.
Der Gott, der die Verwundeten sammelt.
Der Gott, der das Leben liebt.
Bleibe bei allen, die heute trauern.
Bleibe bei allen, die morgen wieder aufstehen müssen.
Und halte deine schützende Hand über alle Menschen, die Zuflucht suchen.
Amen.